Kartoffeldüngung optimieren

Nicht immer bringt das Düngersystem mit der größten ausgebrachten Stickstoff-Menge den höchsten Ertrag im Kartoffelbau. Bedarf und Ausbringungszeitpunkt sind entscheidend. Stabilisierte Dünger können dabei punkten.

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© RWA
Bei der Kartoffeldüngung ist auf eine optimale Nährstoffversorgung zu achten. Das gilt sowohl für eine möglichst exakte Stickstoffmenge als auch für die zeitliche Anpassung des Stickstoffan gebots an den aktuellen Bedarf der Kartoffelpflanze. Ein Überangebot an Stickstoff (N) wirkt sich nachteilig auf Ertrag und Qualität aus, Stickstoffmangel führt ebenso zu schwachen Erträgen. Eine zu spät einsetzende Stickstoffwirkung (etwa durch eine Nachdüngung mit anschließender Trockenphase) erhöht die Gefahr von Zwiewuchs und Anlage neuer Stolonen. Unregelmäßige N-Schübe während des Knollenwachstums führen ebenfalls zu unerwünschten Auswirkungen auf die Kartoffelqualität.

Die LFS Hollabrunn untersuchte die optimale N-Düngung im Hinblick auf die höchste Effizienz. Dabei wurden verschiedene N-Stufen und Düngerformen in den Jahren 2012, 2014 und 2015 geprüft (siehe Grafik).

Exaktversuch der LFS Hollabrunn

Die Varianten 1, 3 und 5 wurden jeweils mit 70 kg N/ha NPK 10+8+20 und 20 kg N/ha in Form von KAS als Grunddüngung vor dem Legen ausgebracht. Da in Österreich zum Schutz der Gewässer vor Stickstoffeinträgen in Form von Nitrat eine verpflichtende Teilung von N-Gaben in leichtlöslicher Form größer 100 kg N/ha gegeben ist, wurde der restliche Stickstoff in Form von KAS Variante 1 (20 kg N/ha), Variante 3 (50 kg N/ha) und Variante 5 (120 kg N/ha) nach dem Legen gestreut.

Bei den Varianten 2, 4 und 6 wurde als Grunddüngung jeweils 93 kg N/ha in Form von Entec NP verwendet und die Kalimenge mit Patentkali ausgeglichen. Beide Dünger wurden vor der Pflanzung ausgebracht. Auf Flächen unter 10 % Hangneigung ist eine Gabenteilung bei Verwendung stabilisierter N-Dünger nicht erforderlich, deshalb konnte der restliche Stickstoff mit Entec 26 Variante 2 (27 kg N/ha), Variante 4 (57 kg N/ha) und Variante 6 (127 kg N/ha) auch vor dem Legen ausgebracht werden.
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N-DÜNGUNG. Einfluss auf Ertrag und Qualität von Verarbeitungskartoffeln, der Sorte Innovator. Exaktversuch der LFS Hollabrunn 2012, 2014, 2015. NPK = NPK 10+8+20, ET NP = Entec NP, ET 26 = Entec 26 + 13 S © LFS Hollabrunn

Düngen war wirtschaftlich

Im Durchschnitt der Versuchsjahre 2012, 2014 und 2015 war am Standort Hollabrunn eine Düngung in der Kartoffel wirtschaftlich und brachte Mehrerträge von 55,8 dt/ha gegenüber der ungedüngten Kontrolle. Die Variante 6 mit Entec und 220 kg N/ha erzielte das höchste Ertragsergebnis (373,6 dt/ha). Im Hinblick auf Standort und N-Effizienz ist diese Variante mit 220 kg N/ha nicht empfehlenswert.

Betrachtet man das N-Niveau von 120 und 150 kg N/ha, so hat in beiden Varianten das Entec-Düngersystem die Nase vorn und bringt Mehrerträge von 13 bzw. 4,9 dt/ha gegenüber NPK und KAS. Unter den Gesichtspunkten der besten N-Verwertung und Umweltverträglichkeit hat Variante 2 (120 kg N/ha Entec) mit einem Ertrag von 359,4 dt/ha die beste Nährstoffeffizienz. Mit 30 kg weniger Stickstoff wurden die gleichen Erträge erzielt wie mit einem herkömmlichen Düngersystem.

Stabilisierte Dünger bringen Vorteile

Der anfänglich geringe N-Bedarf der Kartoffel und die relativ schnelle Nitratfreisetzung konventioneller N-Dünger im Boden sprechen für einen Dünger mit verzögerter Stickstoffbereitstellung. Ammoniumstabilisierte N-Dünger stellen eine lange Ammoniumphase sicher und geben den Stickstoff über 4 – 10 Wochen gleichmäßig an den Boden ab. Nitratverlagerung oder -auswaschung werden vermieden (ein wichtiger Vorteil auf leichten und sandigen Produktionsstand- orten und auch bei intensiver Beregnung). Stabilisierte Dünger eignen sich besonders für den Kartoffelbau. Die N-Versorgung verläuft syn chron zur Pflanzenentwicklung und ungleichmäßige Stickstoffschübe werden verhindert. Die gesamte N-Menge wird bei ammoniumstabilisierten Düngern in einer einmaligen Gabe zum Zeitpunkt des Pflanzens ausgebracht.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der für stabilisierte Dünger spricht, ist die höhere N-Effizienz. So konnte im Versuch beim Einsatz von stabilisierten Düngern (Entec, Entec 26) in der Variante 2 mit 30 kg und in der Variante 4 mit 70 kg weniger Stickstoff annähernd der gleiche Ertrag wie in Variante 3 und 5 mit konventionellen Düngersystemen (N aus Volldünger bzw. Kalkammonsalpeter) erzielt werden. Damit leisten stabilisierte Dünger einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz.

Versorgung mit P und K beachten

Bei der Optimierung der Kartoffeldüngung dürfen die Phosphor- und die Kalidüngung nicht außer Acht gelassen werden. Hackfrüchte wie Kartoffeln reagieren diesbezüglich sensibler als etwa Getreide. Zu niedrige Werte bei Phosphor (P) und Kalium (K) könnten direkt ertragswirksam werden und die Knollenerträge einschränken. In einem Langzeitversuch in Hollabrunn wird der Einfluss einer an die Fruchtfolge angepassten Düngung mit Stickstoff, Phosphor und Kalium auf die Ertrags- und Qualitätsparameter verschiedener Feldfrüchte untersucht.

In den Jahren 2009 und 2013 standen Kartoffeln in der Fruchtfolge. Die Ergebnisse bestätigen die Wirkung der Düngung und die Notwendigkeit einer ausgewogenen Nährstoffversorgung bei Kartoffeln. In der Versuchsvariante, in der auf die Phosphor- und Kaliumdüngung ver zichtet wurde und ausschließlich Stickstoff verabreicht wurde, lagen die Erträge im Durchschnitt beider Jahre um 69 dt/ha unter dem Ertragsniveau der Variante mit an Ertragserwartung und Standort angepasster N-, P- und K-Düngung (100/80/150).

Eine Steigerung der N-Menge von 100 auf 120 kg N/ha bei gleichgehaltener P und K Menge (80/150) war mit 12 dt/ha nochmals ertragswirksam. Dagegen brachte ein reduziertes N-Niveau auf 80 kg N/ha eine um 22 dt/ha geringere Knollenmenge, verglichen mit der für den Standort angepassten NPK-Düngungs-Variante.

Wissenswertes: Stickstoffbedarf hängt vom Entwicklungsstadium ab

Der Stickstoffbedarf ist zu Beginn der Pflanzenentwicklung gering: Nur 30 kg N/ha werden in den ersten 6 Wochen eingelagert. Ab Bestandsschluss, zum beginnenden Knollenansatz, steigt die N-Aufnahme jedoch rapide an: Die Kartoffelpflanze hat bis zur Blüte etwa 80 % des gesamten Stickstoffs aufgenommen. Für eine optimale N-Versorgung bedeutet das, dass genau zum Zeitpunkt des höchsten Bedarfs der Stickstoff in ausreichender Menge pflanzenverfügbar im Boden vorhanden sein muss. Erschwert wird die richtige Ausrichtung der N-Düngung durch den starken Einfluss des Witterungsverlaufs auf die N-Nachlieferung des Standortes.

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Autor:
DI Harald Summerer, LFS Hollabrunn / DI Bernhard Fuchs, Eurochem Agro GmbH